Das dritte Leben der Alten Ziegelei in Klein Kölzig

Im zweiten Anlauf wurde am 19. Oktober nach ihrer Sanierung die Alte Ziegelei in Klein Kölzig eingeweiht. Der ursprünglich geplante Termin im Frühjahr mußte coronabedingt abgesagt werden.
Ins erste Obergeschoß des frisch sanierten Gebäudes zieht die Geschäftsstelle des UNESCO Global Geoparks Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa, die bisher in Döbern untergebracht war.

Als „das dritte Leben der Ziegelei“ bezeichnete Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) in seinem Grußwort die jetzige Nutzung. Bereits 1840 entstanden in der Region erste private Ziegeleien. Die Aktiengesellschaft Großer Kurfürst Berlin errichtete 1892/94 die Ziegelei in Klein Kölzig, die bis 1962 die typischen gelben Klinkersteine herstellte. Im „zweiten“ Leben nutzte die örtliche LPG das Gebäude bis zur politischen Wende 1989 als Getreide- und Trockenlager.

2001 wurde im Rahmen einer Machbarkeitsstudie überlegt, wie der Muskauer Faltenbogen als eine der landschaftlich schönsten Stauchendmoränen in Mitteleuropa touristisch genutzt werden kann. Durch seine natürlichen Voraussetzungen ist der Muskauer Faltenbogen mit seinen eiszeitlichen Landschaftsformen und den geologischen Aufschlüssen (Geotope) bestens dafür geeignet. Neben der Ausweisung als Nationaler Geotop Deutschlands (2006 und 2017) ist der Muskauer Faltenbogen seit 2015 ein transnationaler, deutsch-polnischer UNESCO Global Geopark.

Eberhard Müller, Bürgermeister der Gemeinde Neiße-Malxetal, stellte fest, daß vor 1989 der Muskauer Faltenbogen kaum in den hiesigen Schulbüchern auftauchte. „Mittlerweile ist der Muskauer Faltenbogen nicht mehr nur eine touristische Geschichte, sondern eine grenzüberschreitende. Eine Geschichte, die auch an nachfolgende Generationen weitergeben werden muß!“

Als Ausgangspunkt für Entdeckungstouren im Geopark sollte ein Besucherzentrum dienen. Die zum damaligen Zeitpunkt noch unsanierte Alte Ziegelei im Kerngebiet des Geoparks bot,3 sich an. Nach einer Notsanierung (2003-2007) wurde 2019 mit dem Innenausbau und der Neugestaltung der Innenräume sowie dem Einbau von Sanitäranlagen, Heiz- und Belüftungstechnik begonnen. Im Mai diesen Jahres konnten die Bauarbeiten beendet werden und das sanierte Gebäude an den Förderverein Geopark Muskauer Faltenbogen e.V. als Betreiber des Besucherzentrums übergeben werden.

Derzeit beschäftigt der Verein 7 Mitarbeiter. Mittlerweile wurden die Voraussetzungen geschaffen, um im nächsten Jahr ein EVTZ-Projekt der Europäischen Union zu werden. EVTZ steht für Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit und soll die Zusammenarbeit auf gemeinschaftlicher Ebene zwischen Mitgliedern aus den Hoheitsgebieten mindestens zweier EU-Staaten fördern. Neben Sachsen und Brandenburg auf deutscher Seite ist auch die polnische Woiwodschaft Lebus mit im Boot. Piotr Kuliniak, Bürgermeister der Stadt Łęknica, würdigte den länderübergreifenden Geopark als „gutes Beispiel für deutsch-polnische Zusammenarbeit!“. Er konnte zudem eine gute Nachricht:überbringen: der seit 2016 in Planung befindliche Ausbau einer alten Tischlerei in Leknica zum polnischen Zentrum des Geoparks kann nun stattfinden. Vom Bau her ähnelt die Tischlerei der Alten Ziegelei in Klein Kölzig. Mit Unterstützung des Marschallamtes der Woiwodschaft Lebus konnten 1 Mio. Euro Fördergelder akquiriert werden. Schon im März 2021 könnte die Einweihung sein. Dann will auch die polnische Seite dem EVTZ beitreten.

v.l.n.r.: Harald Altekrüger (Landrat Spree-Neiße), Piotr Kuliniak (Bürgermeister der Stadt Leknica, Dr. Mafred Kupetz (Vorstand des Fördervereins Geopark Muskauer Faltenbogen e.V. )

Uwe Eppinger, Vorsitzender des ebenfalls in der Alten Ziegelei beheimateten Ziegeleibahnvereins, war es vorbehalten, die symbolische Schlüsselübergabe an Nancy Sauer, Leiterin der neuen Geschäftsstelle des UNESCO Global Geoparks Muskauer Faltenbogen / Łuk Mużakowa vorzunehmen.

Über Thori 24 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer, Fleischesser und Milchtrinker; wurde als Kind mehrmals geimpft, ohne jemals daran gestorben zu sein; mehrfacher Träger der roten Mai-Nelke und Teilnehmer am Betriebskantinenessen

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