Groß Schacksdorfer Schloß öffnete seine Türen

Zum Tag des offenen Denkmals 2019 öffneten sich auch die Türen zum ehemaligen Schloß in Groß Schacksdorf. Vor Jahren erwarb die Berliner Architektin Klaudia Keilholz mit ihrer Familie das heruntergekommene Gebäude und versucht seitdem, neues Leben in die alten Gemäuer zu bringen. Einen historischen oder familiären Bezug zu dem Schloß und dessen Vorbesitzer hat Familie Keilholz jedoch nicht. „Wir sind nicht adlig!“, verkündet Klaudia Keilholz fast schon beruhigend.

Die Rückseite des Schlosses

Erbaut wurde das Schloß im frühen 18. Jahrhundert auf den Resten einer alten Wasserburg. Zu DDR-Zeiten befand sich im Schloß das Gemeindezentrum mit Arztpraxen, Konsum und einer Großküche. Heute bewohnt in den Sommermonaten Tochter Konstanze Keilholz mit ihrem Freund das Schloß.

Doch von der Märchen-Romantik mit prunkvollen Sälen, Ritterrüstungen auf den Fluren und riesigen Gemälden an den Wänden ist bei den Führungen, die die Hausherren an diesem Sonntag im September den neugierigen Besuchern anbieten, nichts zu spüren. Überwiegend weiß gestrichene Wände, wenig Möbel und kaputte Stuckarbeiten an den Decken prägen das Bild im Inneren – Überbleibsel der Vorbesitzer. Das Dachgeschoß ist sogar aus Sicherheitsgründen komplett für die Besucher gesperrt.

Am Türbogen sieht man die ursprüngliche und jetzige Verarbeitung

Das Schloß wieder in Schuß zu bringen, erfordert jede Menge Geld, Geduld und Enthusiasmus. Es ist vermutlich eine Lebensaufgabe. Doch der Besucher spürt auch, wieviel Herzblut Familie Keilholz in das Gebäude pumpt, um es zu erhalten. Derzeit werden die notwendigsten Sicherungsarbeiten getätigt, um das Haus nicht noch weiter verfallen zu lassen. Der Denkmalschutz mit seinen strengen Vorgaben lässt nicht viel Spielraum für Eigeninitiative beim Umbau. Förderanträge an Bund, Land und der Stiftung Denkmalschutz zur Erhaltung und Rekonstruktion des Schlosses wurden jedoch nicht berücksichtigt. „Ein altes Herrenhaus in einem kleinen Örtchen irgendwo in der Lausitz ist scheinbar weniger interessant als z.B. Sanssouci!“, vermutet Konstanze Keilholz, bevor sie die nächste Gruppe durchs Haus führt.

Dabei hat das Schloß durchaus Potential. Die beiden größten Räume im Haus lassen sich als Festsaal für z.B. Hochzeiten, Familienfeste oder Kulturveranstaltungen nutzen. Bis zu 120 Personen würden hineinpassen. Es gäbe durchaus eine Reihe Interessierter, die das schlichte, weniger aufwendig dekorierte Ambiente für ihre Feierlichkeiten mögen. Auch für Ausstellungen bieten die Räume viel Platz.
Bei den Führungen fällt zudem auf, daß in vielen Zimmern schon Betten stehen. „Wenn am Wochenende unsere Freunde aus Berlin kommen, können die hier übernachten.“, sagt Konstanze Keilholz. Bad und Küche sind auf dem neuesten Stand, mit den kargen Wohnräumen kann man sich arrangieren. Ebenso mit einigen unfreiwilligen Mitbewohnern wie Mücken oder Spinnen, die in den vielen Ecken und Nischen des Hauses Rückzugsgebiete finden. Ein Moskitonetz über dem Bett schafft jedoch Abhilfe und sorgt für angenehmen Schlaf. Zudem wird der Gast mit einem Ausblick auf viel Grün belohnt.

Ist das nicht romantisch?

Angenehm und warmherzig ist auch die Atmosphäre, in der die Besucher von den Gastgebern zum Tag des offenen Denkmals empfangen werden. Jeder Neuankömmling wird von der „Schloßherrin“ persönlich begrüßt. Apfelkuchen, Kaffee oder eine deftige Kartoffelsuppe – in der hauseigenen Küche zubereitet – laden im Vorgarten neben der Schloßtreppe zum Verweilen ein. Hohe Bäume auf der Rückseite des Schlosses spenden Schatten. Und irgendwie macht sich nach dem Rundgang durchs Haus doch ein wenig Märchen-Romantik bemerkbar…

Zur Webseite des Schloßes

Über Thori 21 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer, Fleischesser und Milchtrinker; wurde als Kind mehrmals geimpft, ohne jemals daran gestorben zu sein; mehrfacher Träger der roten Mai-Nelke und Teilnehmer am Betriebskantinenessen

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