Wo der Teufel den Stein fallen ließ

Jenseits der Neiße, 10 km vom Autobahn-Grenzübergang Olszyna entfernt und ca. 2 km westlich der polnischen Stadt Trzebiel, liegt im Tal des kleinen idyllischen Flüsschens Lanka ein mystischer Ort. „Diabelski Kamien“ nennen ihn die Einheimischen – „Teufelsstein“. Um ihn ranken sich einige Legenden.

Einer alten Sage nach soll sich an der Lanka (einige Quellen schreiben Lauka) eine Mühle befunden haben. Hier lebte der leichtgläubige und gutmütige Müller mit seiner Familie. Die Tochter des Müllers war so wunderschön, daß sie sogar dem Teufel gefiel. Um das Herz der Müllerstochter zu erobern, gab er sich als reisender Müllergeselle aus und erhielt bei dem Müller Arbeit. Dank seiner teuflischen Kräfte ging ihm die Arbeit leicht von der Hand. Das Mehl wurde besonders fein und weiß. Der Teufel in Menschengestalt gewann schnell das Vertrauen der Müllersfamilie, auch Elżunia, die Müllerstochter, verliebte sich in den fleißigen Burschen. Auf Wunsch des Müllers sollte sich der Müllergeselle der Familie anschließen und gemeinsam mit ihr seine Mahlzeiten einnehmen. Auch sollte alsbald Hochzeit gefeiert werden.

Die Frau des Müllers wurde allmählich mißtrauisch, weil sich Elzunias Auserwählter immer unter Ausreden den gemeinsamen Gebeten vor dem Essen verweigerte. Auch die geplante Hochzeit in einer Kirche lehnte er ab. Die Frau des Müllers beäugte den Gesellen argwöhnisch und erkannte ihn eines Abends als den Bösen. Es kam zum Streit und der Teufel wurde aus dem Hause gejagt. Als er ging, drohte er der Müllers Familie: „Noch vor Mitternacht soll die Mühle in Trümmern liegen!“

Der Teufel ging auf den Spitzberg bei Bahren, grub einen riesigen Granitblock aus und machte sich wieder auf den Weg zur Mühle, um sie mit dem riesigen Stein zu zerstören. Doch er kam zu spät an der Mühle an, die Kirchturmuhr zu Trziebel hatte bereits Mitternacht geläutet. Der Teufel ließ den Steinblock fallen und die Mühle fortan in Ruhe. Dort, wo der Teufel den Stein hat fallen lassen, liegt er noch heute. Man kann sogar noch die Spuren der Krallen des Teufels erkennen…

Tatsächlich befinden sich am „Teufelsstein“ einige künstliche Löcher und Rillen. Es handelt sich um sogenannte Näpfchenlöcher, wie sie im heidnischen Götterglauben eine Rolle spielten. Im Umkreis von ca. 3,5 km um den „Teufelsstein“ konnten keine Spuren slawischer Besiedlungen aus der Zeit vor dem 13. Jahrhundert nachgewiesen werden, so daß es sich beim „Teufelsstein“ tatsächlich um einen heiligen Ort gehandelt haben könnte, an dem es unmöglich war, sich ansiedeln zu können oder den Boden landwirtschaftlich nutzen.

Für die Wissenschaft handelt es sich beim „Teufelsstein“ – völlig unromantisch – um einen etwa 1,8 bis 2 Milliarden alten Findling, der mit der letzten Eiszeit aus Skandinavien in unsere Region geschoben wurde. Er ist der größte Findling im UNESCO-Geopark Muskauer Faltenbogen/Łuk Mużakowa und einer der größten in der gesamten Niederlausitz. Sein Gewicht wird auf 100 Tonnen geschätzt. Auch die Ausmaße imponieren: rund 5 Meter lang, 3,5 Meter breit und 2,5 Meter hoch. Hermann Standtke schreibt in seiner „Heimatkunde der Niederlausitz“: „Es ist ein ungeheurer Findlingsblock, der weit über mannshoch ist und über 20 Schritt im Umkreise zählt.“

Alte Ansichtkarte vom Teufelsstein, Foto: Sammlung F. Henschel

Der nächstgelegene Ort Kamienica (dt. Kemnitz = „Steindorf“, von „kamen“ = „Stein“) verdankt dem „Teufelsstein“ seinen Namen. Zu erreichen ist der sagenumwobene Ort über die Verbindungsstraße Trziebel – Łeknica. Gleich hinter dem Ortseingang Kamienica führt rechts eine Straße ins Dorf, von dort ist der „Teufelsstein“ ausgeschildert.

Über Thori 29 Artikel
Blauäugiger freiberuflicher Dichter und Denker, Jahrgang 67, Kreativling, Kulturschaffender, Fotograf, Filmperlentaucher und Pfützenländer, Fleischesser und Milchtrinker; wurde als Kind mehrmals geimpft, ohne jemals daran gestorben zu sein; mehrfacher Träger der roten Mai-Nelke und Teilnehmer am Betriebskantinenessen

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